Studentenwohnhaus in Aachen

Die Baulücke

Baulücken stellen ein erhebliches Stadtentwicklungspotential dar. In vielen Städten sind die aber auch augenfällige Beispiele städtebaulicher Defizite. Die Aufgabe eine Baulücke in Aachen zu schließen bedeutet eine gute Analyse und sorgfältige Planung. Die Bestandsaufnahme ist Grundlage für eine gute Planung. Sie hilft den Raum zu verstehen und aufbauend auf den Gegebenheiten eine anspruchsvolle Planung durchzuführen. Die Wärmeverluste und die Sonnenenergiegewinne eines Gebäudes werden stark durch die Lage des Grundstücks, Klima, Dauer und Intensität der Sonneneinstrahlung beeinflusst. Die Ausrichtung der Räumen nach dem Sonnenlauf bestimmen massgebend Konzeption, Stellung und Einordnung eines Gebäudes auf dem Grundstück. 
Eine nähere Auseinandersetzung mit der Problematik des Lärms in dem Planungsgebiet ist auch nötig, da der Grundstück sich direkt neben einer sehr stark befahrener Straße befindet.
Auf die meisten Zeichnungen kann man klicken und die detailiert anschauen. 

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Raumanforderungen

Der genaue Baugrundrstück befindet sich in der Jülicher Straße 196, Aachen, in der Nähe von Zentis, ein Unternehmen der Lebensmittelbranche. Das Gebäude wird als Studentenwohnhaus mit mindestens einer barrierefreien Wohnung genutzt, wobei für das Erdgeschoss eine öffentliche Nutzung vorgesehen ist. 
Als erster Schritt habe ich 3 unterschiedliche Studententypen beispielhaft genommen und deren Möbel gezeichnet, damit ich mir besser vorstelle wie viel Raum jeder braucht. Als Nächstes habe ich meine Anforderungen an jeden Raum grafisch dargestellt – Die Ausrichtung, Größe der Fenstern, Lichteinfallmenge, Lichteinfallrichtung, Lichtfarbe, Sonnenschutz und Blickbeziehungen. 
Als Übergangsschritt zu den eigentlichen Entwurf habe ich die Positionierung jedes Raumes definiert. Das Prinzip der Positionierung der Räumen auf dem Grundriss steht in Zusammenhang mit der privaten oder gemeinschaftlichen Charakter der Räumen. Auf der einen Seite sind die privaten Räumen – Schlafräume, Bad, WC, Lagerraum und auf der anderen Seite sind die Räume, die alle Personen gemeinsam nutzen können und die, die auch für Gäste nutzbar sind – Garderobe, Wohraum, Küche und Lesebereich. 

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Der Entwurf

Die öffentliche Nutzung im Erdgeschoss ist in der Form eines Vitamin-Bars geplant, der sowohl für die Studenten, als auch für alle andere eine attraktive und gesundheitliche Alternative bietet. Auf der anderen Seite des Erdgeschosses ist der Gemeinschaftsraum für die Bewohner mit Kickertisch und Lesebereich. Die Bewohner haben da auch Zugang zu einem Garten. 
Über die zentrale Erschließung erreicht man die oberen Geschossen, die zwei Typen sind – 1. und 3.OG mit 3 und 2. und 4. OG mit 2 Schlafzimmern. Alle Schlafzimmer und der Gemeinschaftsbereich sind mit Sitzfenstern ausgestattet, die funktional in jedem Bereich integriert sind. Alle Geschosse sind berrierenfrei geplant.  

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Die Fassadenordnung

Die Hauptidee der Befensterung in den Schlafzimmern ist dass alle Fenster Sitzfenster mit funktionalen Unterbereichen sind. Die Hälfte davon soll auch von den Rollstuhlfahrern als Sitzfenster nutzbar sein. Die Anordnung der Fenster ist ein Rhytmus zwischen 2 Brüstungshöhen – 1 Meter und 50 Zentimeter. Es gibt Unterschiede in den Fensterhöhen zwischen der vorderen und hinteren Fassade, die gebäudetechnisch wichtig sind und die Wärmeverluste minimieren. Durch das farbige Muster ist einen gestalterischen Bezug zu den historishen Gründerzeit- und Nachkriegsnebengebäuden gezielt. Das Aachener Dreifensterhaus ist eine charakteristische Bauform, die sich durch die Jahren entwickelt hat und das farbige Fassadenmuster ist eine Interpretation davon. 

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Energiekonzept

Mit dem Abwasser aus Haushalten, öffentlichen Einrichtungen sowie aus Industrie und Gewerbe gehen kontinuierlich erhebliche Mengen an Wärmeenergie verloren. Im Hinblick auf den haushälterischen Umgang mit den Energieressourcen und die Klimaproblematik ist es angezeigt,diese Abwärme zu nutzen und aus dem Abwasser zurückzugewinnen.
Im Gebäudekomplex Kranzstraße / Burggrafenstraße / Wiesental ist schon ein Projekt in dieser Richtung begonnen. Die Untersuchungen des Ortes haben gezeigt, dass es wirtschaftlich ist die Abwasserwärme da zu nutzen. Deshalb möchte ich mein Projekt in diesem Konzept integrieren. 
Die Abwasserwärmenutzungsanlage wird aus einem großen Plattenwärmetauscher im Abwasserstrom bestehen, einem kalten Nahwärmenetz und mehreren dezentralen Wärmepumpen in den Einzelobjekten der Gewoge bzw. der Stadt. Die Abwassertemperatur im Kanal beträgt während der Heizperiode im Mittel über 12 °C und ist daher eine attraktive Wärmequelle.
Bei diesem Konzept erfolgt der Energietransport auf tiefem Temperaturniveau von 7 bis 17 °C.
Anwendung findet diese Lösung hauptsächlich bei langen Distanzen zwischen dem Ort der Energiegewinnung im Abwasserkanal. Mit der kalten Fernwärme können eine oder mehrere dezentrale Heizanlagen versorgt werden.

Vorteile:
•   Die Wärmeverluste sind geringer.
•   Es können kostengünstige, nicht wärmegedämmte Kunststoffleitungen verwendet werden.
•   Der Energietransport auch über Distanzen von mehr als einem km ist wirtschaftlich.
•   Die dezentrale Energieerzeugung erlaubt optimal auf die unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Energienutzer abgestimmte Lösungen, z.B. hinsichtlich der benötigten Temperaturen.
•   Ein Ausbau des Wärmeverbundes in Etappen ist einfach.

 

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